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So war´s 2019

Eine besondere Reise nach Tangermünde

Eine Woche in Tangermünde mit einer Gruppe, von der ich sicher sein wollte, dass sie gerne Rad fährt, dass sich die Teilnehmerinnen gerne im Chorgesang übend bewähren wollen und dass diese Gruppe dann am Ende ein schönes, die Herzen der Zuhörerschaft erfreuendes Konzert auf die, bis dahin sicherlich müden Radfahrerbeine stellt.
Fast ein ganzes Jahr habe ich auf diesen Termin im Juni 2019 hingearbeitet und mich vorgefreut und dann kam er, der 16. Juni 2019!
Auto einpacken, das restliche Geschirr spülen, die Wohnung so herrichten, dass ich beim Nachhausekommen entspannt sein kann, Getränke ins Auto packen, die Autokarte auf den Beifahrersitz legen, einsteigen und starten!

Drei Stunden später war ich in Tangermünde in "Schulzens Hotel & Brauerei" und das Warten auf die Ankunft der Sängerinnen und Sänger konnte beginnen.

Ein paar Eindrücke von Tangermünde

Der "harte Kern" erarbeitet sich die Bettschwere

Als erstes traf ich Kurt und Erika, die direkt vor mir auf die Hoteleinfarhrt einbogen.
Gleich darauf kam Heinrich, der für die Radtourplanung verantwortlich war. Es dauerte nicht lange und ich entdeckte Werner und Helga, etwas später kamen Christa und Mechthild und Brigitte, die ich bis dahin noch nicht kannte. Mechthild erkannte ich dennoch sofort, weil mir ihre Mutter schon von früheren Seminaren bekannt war. Ein paar Teilnehmerinnen fehlten noch, aber auch sie kamen pünktlich an, so dass wir gemeinsam zum Abendessen einen ersten, mit jedem Durchlauf immer melodischer klingenderen Kanon singen konnten.
Alle, auch Ulrike, Ludwig, Anna-Elisabeth, Simone, Marianne, Irmtraut, Marianne und Gunhild legten sich dabei, ebenso wie meine Mutter Gerda, mächtig ins Zeug. Es war ein schöner Einstieg in eine, wie ich unaufhörlich hoffte, schöne und erfolgreiche Rad-Singwoche.

Das Essen kam, war super lecker und nach einem kleinen "Nacht-Trunk-Ausflug", des sich schnell bildenden "harten Kerns" der Nachtschwärmer, ging es dann, kurz vor Mitternacht, mit angenehmer Bettschwere auf´s Hotelzimmer, um der ersten Radtour entgegen zu schlafen.

Ein paar Bilder

Am nächsten Morgen erwartete uns ein vielfältiges und leckeres Frühstücksbüffet. Es war ein bisschen so wie es bei Königs sein würde, wenn es sie denn in unseren Breiten noch gäbe. Die Lunchpakete, vom Hotelpersonal liebevoll zusammengestellt, sollten unser Überleben während unserer Radtour sicherstellen und wurden in den Kofferraum meines Autos geladen, das als Begleitfahrzeug "für alle Fälle" von meiner Mutter gefahren wurde. Heinrich hatte ganz viele Getränke, die wir in unsere Satteltaschen verluden und die uns unterwegs den Durst vertreiben sollten.
Wir waren guter Dinge und starteten zu unserer ersten Radtour in Richtung Lüderitz, wo in der dortigen Kirche, unsere erste Chorprobe stattfinden sollte.
Während wir noch mit den Rädern eine der wenigen Anhöhen in diesen Breiten erklommen, fuhr meine Mutter mit meinem Auto fröhlich an uns vorbei, um in der Kirche zusammen mit Marianne, die aus diesem Ort kam, alles vorzubereiten.
Das Klavier wurde ausgepackt, die Sängerinnen und Sänger nach Stimmen sortiert in der Kirche gruppiert und dann ging auch schon das Einsingen los. Vier Stücke haben wir an unserem ersten Probentag erarbeitet. Sie waren nach diesem ersten Chorprobentag in einem Stadium, das mir als Chorleiterin hoffnungsvolle Gefühle im Bezug auf unser am Freitag bevorstehendes Konzert gab. Ich setzte mich am Ende der Probe mit Freude auf mein Rad, um den Heimweg anzutreten.

Marianne hatte für den Rückweg mit Heinrichs Einverständnis die Führung der Gruppe übernommen und zeigte uns, da sie sich in ihrer heimatlichen Umgebung ja bestens auskannte, eine besondere und in keiner Karte verzeichnete Strecke von Lüderitz zurück nach Tangermünde. Der Weg zurück war zwar weiter als der Hinweg, hatte jedoch landschaftlich seine besonderen Reize. Die Gruppe übte sich im Gruppenradeln und vieles, was auf dem Hinweg noch kompliziert war, vereinfachte sich auf wundersame Weise. An den Kreuzungen stand immer jemand von uns mit Warnweste, um auf die nachfolgenenden Radlerinnen zu achten, denn niemand sollte die Abfahrt übersehen. Die schnelleren Fahrer/innen warteten an markanten Punkten auf die Nachfolgenden und die Lücken zwischen den flotten und den kontinuierlich Fahrenden waren nicht mehr so groß.
Ich war mir sicher, dass wir bis zum Freitag nicht nur einen guten Chor, sondern auch Rad fahrend eine homogene Gruppen bilden würden, in der jeder auf den anderen achten und Rücksicht nehmen würde. Chorgesang und Radfahren in der Gruppe basieren auf den gleichen Grundsätzen: Beim Radfahren in der Gruppe und beim Üben der Stücke bestimmen immer die Schwächsten das Tempo. Wenn sich unsere Gesellschaft um eine gemeinsame Entwicklung nach diesem Grundsatz bemühen würde, wären viele Probleme von heute überhaupt nicht vorhanden!

In Schulzens Hotel, in dem wir mit einiger Verspätung aber großen Glücksgefühlen etwas erschöpft ankamen, wartete ein vorzügliches Abendessen auf uns. Nach dem Genuß von Speis und Trank und vielen guten und anregenden Gesprächen verzog sich an diesem ersten Abend auch der "harte Kern" frühzeitig in sein jeweiliges Privatgemach, um sich eine ausgiebige Erholung für die Anforderungen des zweiten Tages unserer besonderen Chorreise zu gönnen.
Morgen würden wir alle zusammen nach Schönhausen fahren und wir waren ganz gespannt auf diesen zweiten Tag voller klanglicher und sportlicher Abenteuer!

Kirche Schönhausen

Frühstück, Proviant fassen, Getränke bunkern, Räder aufpumpen, die Rezeption über unser Tagesprogramm und die Uhrzeit der Rückkehr informieren, und schon waren wir wieder durch das Tor des Hotels hinaus geradelt, um den Weg nach Schönhausen einzuschlagen, um dann dort in der Kirche zu proben. Es war schon am Morgen super warm und wurde im Laufe des Tages immer heißer.
Um so schöner war es, in Schönhausen angekommen, eine Kirche vorzufinden, die von schönen, hohen und Schatten spendenden Bäumen umgeben war, so dass wir erst einmal ein wenig verschnaufen konnten. Eine liebe und freundliche Dame, die Kirchenwache hielt, half uns, uns in der Kirche zurecht zu finden und hörte geduldig unseren Übungen und Gesangsproben zu. In der Pause zeigte sie uns eines ihrer Hobbys: aus dem Erzgebirge stammend hatte sie eine Begabung für´s Klöppeln und mit den Klöppeln ging sie mit einer beeindruckenden Fingerfertigkeit um. Zugunsten ihrer Kirchengemeinde bietet sie ihre Klöppelarbeiten und viele andere Bastelarbeiten zum Verkauf an und einige ihrer Engelchen sind mit mir zurück nach Ratzeburg geflogen, bzw. geradelt.
Wir waren recht zeitig zurück in Tangermünde, so dass wir Zeit fanden, eine der reichlich vorhandenen Eisdielen auszuprobieren. Es fanden sich köstliche Eiskreationen und im Kühlschrank - was in unseren Breiten ja kaum noch zu finden ist: Buttercremetorte! Damit kann ich ja so richtig glücklich werden und in Wirklichkeit bin ich ganz froh, dass ich nicht in jedem Café eine solche Auswahl vorfinde. Wir hatten es uns gerade alle gemütlich gemacht, als uns ein Anruf ereilte. Ein paar unserer Radlerinnen hatten sich für die Rückfahrt einen anderen Weg ausgesucht und auf dieser Strecke ist eine der Radlerinnen gestürzt. Nun war das Rad kaputt und stand in der Werkstatt, also musste unsere leicht verletzte Radlerin abgeholt werden. Heinrich war dazu sofort bereit und am Abend im Hotel waren wir dann alle wieder zusammen und das schmerzliche Missgeschick wurde von unserer Chor-Radel-Schwester mit großer Tapferkeit ertragen und war bald vergessen.

Nach einem erneut erlesenen Abendessen und dem köstlichen Bier, das in der hauseigenen Brauerei gebraut wird, wanderte der harte Gruppenkern noch einmal fünf Minuten lang um die Häuser, um in unserer, inzwischen schon "Stammkneipe" noch ein Gute-Nacht-Getränk zu genießen.
Werner bestellte sich einen Whisky. Als dieser an den Tisch gebracht wurde, bekam seine Frau Helga große Augen. Das war ein halb volles Glas mit bestem goldnem Inhalt. So eine Füllung hatten wir alle noch nicht gesehen und die Folge dieser Bestellung war, dass immer abwechselnd einmal Werner und einmal ich von dem göttlichen Getränk nippen durften. Danke, lieber Werner, es war köstlich! Damit war für Werner der Grundstein einer kleinen Tradition gelegt: Er bestellte sein Schnäpschen nicht mehr nur für sich und seine Frau. Ich bekam auch allabendlich eines ab...Whisky, Hurzfurz, eine Tangermünder Spezialität und ein Korn sollten es bis zum Ende der Woche werden. Das sollte dann auch gut für die nächste Zeit reichen.
Es wurde dann doch nach Mitternacht, ehe wir dieses schöne Lokal, fünf Minuten vom eigenen Bett entfernt verließen, um uns schlafend auf den nächsten Tag vorzubereiten. Er sollte in Tangermünde verbracht werden, so ganz ohne Radfahren, mit intensiver Probenarbeit.

Um 9.30 Uhr trafen wir uns, genauso pünktlich wie an den Tagen zuvor am Radschuppen und gingen wieder fünf Minuten vom Hotel aus in die "Salzkirche".
Dieses historische Gebäude wurde einst vorübergehend als Kirche genutzt und später als Salzlager, so dass schnell der Begriff "Salzkirche" um sich griff und sich bis heute gehalten hat.
Konzerte, Ausstellungen und Vorträge kann der Gast heute in diesem Raum erleben und die Stadtverwaltung Tangermünde hat unserer Gruppe diesen Raum für unseren Probentag zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle sei noch einmal allen Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung und der Salzkirche für diese besondere Gabe gedankt. Es war ein wundervoller Probentag und ein schöner Tag in Tangermünde, der dem Chor eine enorme Repertoireerweiterung und mir zwei Kleider und zwei paar Schuhe als Erinnerung an Tangermünde beschert hat...
Nach der Probe ging jeder seiner Wege und suchte sich in der sonnigen Stadt ein schattiges Plätzchen. Und wo trafen sich die meisten? Natürlich in dem uns schon bekannten Eiscafé! Der Tourist ist eben, wie der Mensch an sich, oft ein Gewohnheitstier. Es ist eine gute Methode, um sich in fremden Städten schnell so etwas wie ein "Zu Hause Gefühl" zu erwerben. Die Mitte der Woche war erreicht und der Donnerstag nahte, was bedeutete, dass unser Konzert in fühlbare Nähe rückte: Üben wurde immer notwendiger, denn wir wollten uns ja nicht blamieren.

Regen? Ach was!

Am Donnerstag machten wir uns auf nach Arneburg. Die Kirche war noch zu als wir ankamen. Dank der Weitsicht der Pastorin Obara hatte ich jedoch eine Telefonnummer und bis die Kirche geöffnet wurde haben wir uns alle glücklich mit unseren Lunchpaketen beschäftigt. Eigentlich kam uns die Pause gerade recht. Die Probe in der Arneburger Kirche war besonders intensiv, denn wir wussten ja, es geht um unseren Auftritt am anderen Tag. Es musste sich jetzt unbedingt alles zusammen fügen. In der Probenpause unterhielt uns Pastorin Obara auf angenehme Weise. Sie versprach auch, zum Konzert zu kommen und das gab der ganzen Gruppe einen Motivationsschub.
Aus Chorleitersicht darf ich sagen, dass die Probe erwartungsgemäß verlief. Es klappte nicht alles aber das Meiste und der Ehrgeiz erwachte in allen Sängerinnen und Sängern. Als wir müde genug waren und ich das Gefühl hatte, es wird jetzt nicht mehr besser, haben wir den Heimweg angetreten, um uns mit dem köstlichen Essen und dem obligatorischen Bier bei Schulzens das Lampenfieber abzukühlen. Der Abend war nicht ganz so lang, aber lang genug, um den harten Kern zu all seinen Rechten kommen zu lassen. Ich selbst durfte am Abend noch die Programme für den Chor schreiben und ausdrucken, so dass anderntags auch alle nach der gleichen Reihenfolge singen würden.
Meine Soli wurden eingefügt und ein paar Gedichte aus meiner Feder hatte ich natürlich auch im Gepäck, um das Programm abzurunden.
Ich ging am Abend vorfreudig ins Bett und hoffte, dass am anderen Tag auch alles gut klappen würde.

Am Morgen des ultimativen Konzerttages habe ich in Goldbeck in einem Lokal angerufen, ob ich in der Mittagspause mit 18 Personen zu einem kleinen Imbiss vorbei kommen könne. "Wir haben um die Zeit Mittagspause." -Ich war geknickt. "Wieviele Leute sind sie?" "18 Personen" sagte ich schüchtern. "Gut, dann mache ich Ihnen eine Spargelcremesuppe und wer will kann dann auch noch Salat haben oder ein Eis essen." Ich war dankbar. Eine solche Flexibilität fand ich umwerfend und alle Gruppenteilnehmerinnen fanden das auch.
Wir sollten unser Konzert in der Zuckerhalle in Goldbeck geben. Der dortige Bürgermeister hatte mit dem zuständigen Verein alles geklärt und sich sehr gefreut, dass wir an diesem besonderen Ort, eine alte Zuckerfabrik, unseren Auftritt absolvieren wollten. Wir wurden herzlich empfangen. Kaffee stand bereit, Kekse waren aufgedeckt, Wasser stand bereit, unterwegs hatten wir uns mit frisch geernteten Kirschen versorgt. Alles war Bestens!
Nach der wohlverdienten Pause begann die Bühnenprobe mit den Liedern, die wir ohne Klavierbegleitung musizieren wollten und auch hier klappte alles ganz nach meinen Vorstellungen.
Wir hatten uns also unser Mittagessen verdient und radelten die drei Minuten durch Goldbeck zu unserer Spargelcremsuppe. Die Fahrt nach Goldbeck war die längste unserer Radtouren und wir hatten ein kleines Mahl sehr nötig.

Als wir vom Essen zurück kamen, war auch schon unser Pianist da. Ich freute mich sehr, Herrn Lessing, den Kreiskantor des Kirchenkreises Stendal, der mir bei den Vorbereitungen zu unserer Radtour sehr behilflich war, endlich persönlich kennenzulernen.
Er baute sein gesamtes Equipment auf und wir begannen mit der Probe. Alles lief super. Nun fehlten nur noch die Gäste. Sie kamen und wir hatten ein kleines aber feines und liebevoll lauschendes Publikum.
Wir fanden dann auch den Grund für die ausgewählte Gästeschar: Die Plakate, die ich zuvor geschickt hatte, waren nicht verteilt worden, weil sowohl der Vereinsvorstand als auch der Bürgermeister erkrankt waren und in dieser Situation nicht rechtzeitig hilfreich sein konnten.
Wichtig war uns, dass wir glücklich waren mit unserem Gesang und dass wir unsere Gäste glücklich nach Hause entlassen konnten und das ist uns gelungen.

Wir machten uns erschöpft aber sehr zufrieden auf den langen Heimweg in unser schönes Hotel, wo uns eine deftige Brotzeit erwartete.
Der Abend wurde etwas länger, denn wir hatten uns vorgenommen, in meinen Geburtstag hinein zu feiern. Das ist nicht allen gelungen, weil der Tag doch anstrengend war, aber die härtesten des harten Kernes harrten aus und wir konnten um 0.00 Uhr mit einem Gläschen Sekt auf mein neues Lebensjahr anstoßen.

Am anderen Morgen erwartete mich eine Überraschung. Meine Mutter hatte mit Hubert, dem Koch des Hotels konspirativ verabredet, dass für mich eine eigene Buttercremetorte serviert wurde.
Sie kam, wie auf einem Traumschiff, mit Feuerwerk an meinen Frühstücksplatz und ich war entzückt.
Sie schmeckte köstlich, jeder durfte davon probieren und für den Abend, den wir, nach einer von Heinrich organisierten Überraschungsradtour und nach dem Besuch einer Messias-Aufführung in der Stephanskirche in Tangermünde, im Elbgarten des Hotels verbringen sollten, war noch genug Torte übrig.
Es war ein sehr stimmungsvoller und gemütlicher Abschiedsabend, an dem jede und jeder seine Eindrücke dieser ersten Chor-Rad-Reise noch einmal zusammen fasste. Die Teilnehmerinnen waren glücklich, Heinrich war glücklich und ich sowieso, denn ich hatte nicht nur ein gutes Projekt umgesetzt, sondern auch meinen Geburtstag auf ganz besondere Weise gefeiert.

Diese Reise war wirklich rundum gelungen und wir alle sind zufrieden und erfüllt nach Haus gereist.

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt.
Es gibt um Tangermünde herum noch viel zu entdecken und im kommenden Jahr startet erneut
SINGEN- RADELN – KONZERTIEREN
vom 19.7.2020 – 26.7.2020